Von 1. bis 5. Oktober 2025 lud die Veranstaltungsreihe Kulturgestöber & Abendbrot an elf besondere Orte in der Region und machte dabei sichtbar, wie lebendig und tiefgründig Kultur in der Region ist.

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Den Auftakt machte Mittwochabend ein Konzert der Osttiroler Kammermusiker im Drauforum Oberdrauburg. Werke von Mozart, Haydn und Tschaikowski trafen auf ein antikes Bronzemesser aus dem örtlichen Museum – Symbol für Präzision, Handwerk und Geschichte. Bürgermeister Stefan Brandstätter eröffnete die Woche mit einem Plädoyer für regionale Kulturinitiativen.

Im Nationalparkhaus Matrei standen bis in den späten Donnerstagabend der Gletscherfluss Isel und sein Wandel im Mittelpunkt: naturwissenschaftlich erfahrbar und künstlerisch interpretiert – ein Abend zwischen Eiszeit, Lebensraum und Klimadynamik.

Der Kunstraum Leibl verwandelte sich mit den Bildern von Lewis Blake in einen Ort des Austauschs, wo Kunst, Butterbrot und Wein zu anregenden Gesprächen und gemeinsamen Entdeckungen einluden.

Im Miniaturmuseum von Margarethe und Heinz Oberdorfer berührte Freitagnachmittag die Veranstaltung „Kosaken am Land“ mit bisher unveröffentlichten Zeitzeugenstimmen zur Kosakentragödie im Lienzer Talboden und einem sensiblen Zugang zur Erinnerungskultur. Erna Inwinkl, die Chronistin und Initiatorin dieser Präsentation, Martin Kofler vom Tiroler Photoarchiv (TAP) und Ekkehard Schönwiese gaben damit den Auftakt zu einer Reihe von Veranstaltungen im Zeichen der Erinnerungskultur.

Im Museum Aguntum ließ Kulturvermittler Hannes Rohracher das Alltagsleben im antiken Rom aufleben – anschaulich, humorvoll und lehrreich. Spät abends führte Nachtwächter Josef Lugger mit Laterne und Hellebarde durch das nächtliche Obertilliach, bevor im Heimatmuseum bei Wein und Brot weitererzählt wurde.

Ein besonderes Erlebnis inszenierte der Künstler Rolo Geisberg in der altehrwürdigen Tammerburg mit seinem multimedialen Kunstwerk „Das Unauslöschliche“ – eine dichte Performance aus Klang, Licht, Malerei und einem Text von Andreas Weiskopf. Im Anschluss lud Schloss Bruck zur Abendführung durch die Ausstellung „Blicke nach innen – Nicäa“, die Brücken zwischen Antike und Gegenwart schlug. Im Kino- und Fotomuseum Sillian war ein Heimatfilm mit Christine Neubauer zu sehen, dessen Thematik rund um Tourismus und Identität auch heute bewegt.

Sonntagvormittag erinnerte der Historiker Gottfried Kalser entlang des sogenannten Russenwegs an russische Kriegsgefangene, die diesen Pfad im Ersten Weltkrieg errichteten. Die fundierten Informationen zu verschiedenen Denkmalen entlang des Russenwegs wurden mit einer Präsentation des K. u. K. Gebirgsartillerieregiments Kaiser Nr. 14 aus Dölsach ergänzt.

Den Abschluss bildete eine performative Lesung im Bildungshaus Osttirol, in der Oswald Kollreider und Hermann Gassler das Leben und Werk des 2017 verstorbenen Malers Oswald Kollreider in Wort und Bild erlebbar machten.

Wie schon bei den Museumstagen im Frühjahr zog sich auch diesmal das Jahresmotto „Bewegte Zeiten“ als roter Faden durch die Woche: In Form historischer Umbrüche, innerer Bewegtheit, gesellschaftlicher Veränderung oder Natur im Wandel. „Osttirol hat mit Kulturgestöber & Abendbrot 2025 einmal mehr gezeigt, dass Kultur nicht stillsteht – sondern verbindet, erinnert, aufrüttelt und inspiriert“, freut sich Kulturspur-Obmann Peter Leiter über die große Resonanz der Teilnehmenden.