Versteckt zwischen schroffen Felswänden, rauschenden Bächen und grünen Almen liegt sie wie eine in Stein gehauene Zuflucht: die Felsenkapelle im Gschlösstal bei Matrei in Osttirol. Wer sich aufmacht in dieses Hochtal, wird von der Szenerie überwältigt – und von der stillen Würde dieser kleinen Kapelle, die fast mit dem Berg zu verschmelzen scheint.
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Bereits im Jahr 1688 wurde an dieser Stelle eine erste Kapelle errichtet – von Hirten und Almbauern, die den Sommer in der Abgeschiedenheit verbrachten. Doch die Naturgewalten waren erbarmungslos: Zwei Mal wurde das kleine Gotteshaus von Lawinen zerstört. Der Glaube blieb. 1870 wagte man einen neuen Versuch – diesmal mit einem architektonischen Kunstgriff: Die Kapelle wurde direkt in eine natürliche Felsnische gebaut, mit einer gemauerten Front, die sich harmonisch in das massive Gestein einfügt.
Ein Raum aus Fels und Zeit
Die Giebelwand wird von einem Spitzbogenportal, zwei schlanken Spitzbogenfenstern und einem Rundfenster über dem Eingang durchbrochen. Darüber erhebt sich ein kurzer, steingedeckter Dachfirst. Der kleine Turmaufsatz, ebenfalls aus Stein, zeigt drei spitzbogige Schallfenster – sein Abschluss ist schlicht, aber markant: ein flaches Satteldach mit einem Kreuz. Die Kapelle wirkt in ihrer archaischen Bauweise wie aus dem Berg geboren – fest verwurzelt in der Landschaft und doch offen zum Himmel.
Innen herrscht eine stille, fast mystische Atmosphäre. Das Naturstein-Gewölbe, roh und unverputzt, wirkt wie direkt aus dem Berg geschlagen. Im Kontrast dazu steht der kleine Barockaltar, dessen dunkler Holzrahmen ein Gemälde des Erzengels Michael umfasst. Besonders verehrt wird eine Figur der Schmerzensmutter, die aus der ersten Kapelle erhalten geblieben ist.

Ein sakraler Ort zwischen Alltag und Ewigkeit
Die Felsenkapelle ist nicht groß, nicht prunkvoll. Und doch besitzt sie eine Ausstrahlung, die man in vielen hochdekorierten Kirchen vermisst. Sie erzählt vom einfachen Glauben der Almleute, von ihrem Bedürfnis nach Schutz, Nähe, Stille. Hier wurde keine Kirche für Fürsten gebaut – sondern für Menschen, die mit den Elementen lebten, für Hirten, die dem Himmel näher waren als mancher Bischof.
Im Zuge einer Renovierung in den Jahren 1969/70 wurde die Kapelle behutsam instand gesetzt. Wer heute den Weg vom Matreier Tauernhaus Richtung Gschlößtal geht, braucht nicht viel: gutes Schuhwerk, etwas Zeit – und ein offenes Herz. Denn was man dort findet, ist mehr als ein Wanderziel. Es ist ein Ort, der Stille spricht. Und eine Kapelle, die nicht mit Größe beeindruckt, sondern mit Tiefe.
Foto: Michael Kranewitter
Eintritt frei




