Umgeben von schroffen Gipfeln, liegt die Almsiedlung „Jagdhausalm“ wie ein geheimes Bergdorf, in dem die Zeit stillzustehen scheint. Die 16 Steinhäuser wirken wie Felsen aus der Erde gewachsen – robust, alt und fest in der Landschaft verwurzelt. Sie sind nicht nur Almhütten, sondern wahre Kulturdenkmale, die unter Denkmalschutz stehen und die Geschichten aus einer längst vergangenen Zeit erzählen.
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Der Ursprung der Jagdhausalm reicht bis ins Jahr 1212 zurück, wo sie als „Jagehusen“ erstmals urkundlich erwähnt wird. Zu diesem Zeitpunkt wurde sie als Dauersiedlung ganzjährig bewirtschaftet. Wegen der extremen Höhenlage musste diese Nutzungsform aber bald aufgegeben werden. Der Mensch stieß an die Grenzen der Natur. Die Alm wandelte sich zur Sommerweide.
Bereits im 7. Jahrtausend vor Christus hielten sich frühsteinzeitliche Jäger in dieser abgelegenen Region auf. Funde aus dieser Zeit, die am Klammljoch gemacht wurden – einem hochgelegenen Übergang auf 2288 Metern, der die Grenze nach Südtirol ins Reintal markiert – erzählen von den ersten Erkundungen dieses rauen Gebirgspasses. Hier, an diesem historischen Knotenpunkt, legten die Jäger ihre Lagerstätten an, um sich vor den harten Elementen zu schützen, während sie die Bergwelt durchstreiften, auf der Suche nach Wild und sonstiger Nahrung. Die Funde bezeugen nicht nur die frühe Besiedlung, sondern auch die unermüdliche Entschlossenheit der Menschen, in dieser ungezähmten Natur zu überleben.

Lebensraum für Mensch und Tier
Obwohl die Alm geografisch in Osttirol ist, besitzen Bauern aus Südtirol das Weiderecht und größtenteils auch den Grund. Mitte Juni ziehen mehr als 300 Jungrinder hinauf zur Jagdhausalm, wo sie die Sommermonate verbringen. Fünf bis sechs Senner begleiten die Tiere und sorgen für sie. Die Milchverarbeitung auf der Alm erfolgt inzwischen ausschließlich für den Eigenbedarf, im Einklang mit der ursprünglichen Almtradition, die sich trotz der Zeit und des Wandels erhalten hat.
Die Almhütten der Jagdhausalm erfüllen mehrere Funktionen zugleich: Sie dienen als Ställe für das Vieh, Vorratslager für die Waren und als Behausungen für die Senner, die hier ihren Sommer verbringen. Da es in dieser Höhenlage an Bauholz mangelt – die Alm liegt jenseits der Waldgrenze – wurden die Gebäude aus dem vorhandenen Naturstein der Umgebung errichtet. Die kleineren Nebengebäude haben sogar steinende Dächer, während die größeren Hütten mit traditionellen Holzschindeln gedeckt sind, die nicht nur funktional, sondern auch ein markantes Merkmal der regionalen Bauweise darstellen.
Die steingemauerten Hütten und die grasbewachsenen Weiden erzählen von einer Tradition, die trotz der modernen Welt ihre Kraft und Authentizität bewahrt hat. Es ist ein Ort, an dem die Natur die Hauptrolle spielt, und der für jeden, der den Aufstieg wagt, ein tiefes Gefühl der Ruhe und Verbundenheit schenkt.
Bilder:
- Von Falk2, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=106466274
- Von Michael Kranewitter – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=125118594
Eintritt frei.
Wer ein Stück von St. Jakob i. Defereggental in Richtung Erlsbach und weiter zum Parkplatz Oberhausalm fahren möchte, muss Maut bezahlen.




